Qualitätsstandards bei Schülersprachreisen
Interview mit Peter Schuto, 1. Vorsitzender des FDSV – Fachverband Deutscher Sprachschulen und Sprachreise-Veranstalter e. V. (2013–2022)
Peter Schuto
Wie erkenne ich einen seriösen Jugend- und Sprachreiseveranstalter?
Peter Schuto: Die Antwort ist relativ einfach: Es gibt die Fachverbände FDSV und Reisenetz, die in enger Abstimmung untereinander verbindliche Qualitätsrichtlinien zu allen Aspekten von Jugendreisen und insbesondere zu den Sprachreisen entwickelt haben. Prüfe die Angebote, ob sich der jeweilige Veranstalter diesen Expertennetzwerken angeschlossen hat! Denn dann lässt er sich in die Karten gucken, das heißt, er wird regelmäßig überprüft und hat sich verpflichtet, die Branchenanforderungen und Standards einzuhalten – ohne Wenn und Aber.
Ab welchem Alter sind Sprachreisen denn geeignet?
Im Grunde gibt es keine Grenze nach unten. Wichtig ist: Das Programm muss auf die Altersgruppe zugeschnitten sein. Je jünger, desto spielerischer ist das Programm gestaltet. Für die jüngsten Gäste bietet sich z. B. auch eine Sprachreise innerhalb Deutschlands an. Rein statistisch ist die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmenden bei ihrer ersten Sprachreise zwischen 12 und 14 Jahre alt.
Wie lange sollte man die Fremdsprache denn schon gelernt haben?
Peter Schuto: Auch absolute Anfänger profitieren und machen gerade vor Ort oft sehr schnell Fortschritte. Wichtig ist nur, dass die gebuchte Reise mit ihrem Betreuungsschlüssel dem Alter angemessen ist und der jeweilige Sprachkurs dem Kenntnisstand entspricht. Nutze hier das Beratungsangebot der Veranstalter. Erfahrungsgemäß ist es z. B. hilfreich, wenn neben der gewünschten muttersprachlichen Begleitung im Unterricht und im Freizeitprogramm auch deutschsprachige Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Wie lange sollte eine Sprachreise dauern?
Peter Schuto: Je länger der Sprachkurs und der Aufenthalt sind, desto größer ist der Lerneffekt. Doch auch im kurzen Format – bereits ab einer Woche – sind die Lernerfolge enorm. Nicht zuletzt, weil der Aufenthalt vor Ort eine ganz neue Motivation schafft, sich aktiv mit der Sprache zu beschäftigen.
Sind Sprachreisen teuer?
Peter Schuto: Nicht unbedingt. Im Ausland und sogar in Deutschland gibt es eine Fülle von Reiseangeboten. Eine einwöchige Reise nach Südengland mit dem Bus ist inklusive Vollpension, Sprachkurs, Betreuung und Freizeitprogramm schon für um die 1000 € zu haben. Im Vergleich der Angebote sollte man im Blick behalten, was neben dem Sprachkurs alles inklusive ist. Denn auch das Freizeitprogramm mit Ausflügen etc. Trägt zum Kennenlernen des Landes und zum Verständnis der Kultur bei.
Warum können Sprachreisen nach England besonders empfohlen werden und was bedeutet der Brexit für die Einreise nach England?
Peter Schuto: Ganz klar – eine Fremdsprache lernt man anerkanntermaßen dort am besten, wo sie gesprochen wird. England ist seit Jahrzehnten das Ziel Nummer 1 für Sprach-Lernende. Die Erfahrung zahlt sich aus durch einen hohen professionellen Standard: England stellt weltweit die Normen und Methoden zum Erlernen des Englischen auf und bietet eine großartige Willkommenskultur. Das Eintauchen in die Kultur ist einfach und macht Lust aufs Sprachlernen. Tolle Strände, einzigartige Kulturstätten wie z. B. Stonehenge und Städte wie London sind touristische Highlights. Und das Wetter ist definitiv besser als sein Ruf! Der Brexit hat zwar für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt, birgt aber keine Reiseprobleme. Bei der Einreise hat Großbritannien eigentlich immer schon intensiver kontrolliert als unsere direkten Nachbarländer. An der Grenze bemerkt man heute so gut wie keinen Unterschied zu früher – auch wenn man jetzt einen Reisepass und seit April 2025 eine elektronische Einreisegenehmigung benötigt. Letztere ist aber einfach zu beantragen, per App oder online.
Kann man denn auch sicherstellen, dass außerhalb des Mutterlandes der Sprache der Unterricht qualifiziert abläuft?
Wie gesagt, die Engländer haben das Sprachreisen quasi erfunden und setzen bis heute die weltweit gültigen Standards, die von allen nationalen Schulverbänden übernommen werden. Das bedeutet, dass die Qualität des Sprachunterrichts von der Ausbildung der Lehrer bis hin zu den Unterrichtsmethoden weltweit auf vergleichbarem Niveau ist. Inzwischen haben sich viele neue Wege gefunden, den fremdsprachlichen Unterricht auch zum Beispiel in Deutschland so aufzubauen, dass er von Muttersprachlern gestaltet wird und die Qualitätskriterien mehr als erfüllt werden.
Wie und wodurch unterscheidet sich denn Sprachunterricht von anderen Schulfächern?
Peter Schuto: Man kann es nicht deutlich genug sagen: Es ist ein großer Unterschied, ob ich zum Beispiel mathematische Formeln lerne und anwende oder eine Sprache. Denn Sprache lerne ich nur durch aktives Sprechen, in möglichst authentischen Alltagssituationen. Und da gibt es grundsätzlich ganz viel Ergänzungsbedarf gegenüber dem heimischen Unterricht! Unsere Schülerinnen und Schüler in Deutschland sollen in den 45 Minuten einer Schulstunde eine Sprache lernen und vertiefen. Das kann ja nicht effizient sein bei – rein rechnerisch – zwei Minuten Redezeit pro Schüler und Unterrichtsstunde!